Probieren geht über Studieren

Ganz typische Frage an Oberstufenschüler: „Und? Was machst du nach dem Abi? Studieren?“ Warum es für viele selbstverständlich ist, dass man nach dem Abschluss der Schule direkt die Uni besucht, ist mir schleierhaft. „Nein, ich mache eine Ausbildung!“ Die Mimik meines Gegenübers spricht Bände: Ach ja, das gibt es ja auch.

Jeden Tag ausschlafen, unter der Woche Feiern gehen oder seinen Tag mit Netflix vertrödeln. Als Azubi träumt man schon manchmal davon. Andererseits frage ich mich, ob es ein Ziel sein sollte, sich am Wochenende über die neusten Serien zu unterhalten? Voller Freude über deine spannenden neuen Erfahrungen zu berichten, klingt für mich deutlich amüsanter!
Auch jeden Morgen aufzuwachen und genau zu wissen, wo man heute hin muss, zu wissen, dass dort Menschen auf dich warten, die auf dich setzten und welche dir jeden Tag bei Aufgaben und Fragen zur Seite stehen, das macht für mich den Reiz der Ausbildung aus.
Gut, ob Ausbildung oder Studium, muss jeder mit sich ausmachen. Ich habe mir gesagt: „Ich saß jetzt schon 12 Jahre lang in der Schule, ich will jetzt mal was machen!
Doch was?“ Das war dann der nächste Schritt. Man stellt sich die Frage: „Was mag ich denn und was kann ich gut?“ Manchmal ist es leichter, sich erst einmal vor Augen zu halten, was man denn nicht will, so schließt man schon viele Berufe aus.
„Ich möchte mit vielen Menschen zu tun haben und nicht jeden Tag in einem schicken Fummel zur Arbeit kommen müssen “, so viel war mir klar.
Nach unzähligen „Welcher Beruf passt zu dir“-Tests, die einem schon mal eine gute Richtung geben können, bin ich nach kurzer Recherche auf die Marketingbranche gestoßen. Fancy Büros, lustige, stets gut gelaunte Kollegen, lockere Arbeitsweise und alles ein bisschen abstrakt: das ist die Vorstellung, die man gemeinhin von ‚(Werbe-)Agenturen’ hat. Ja, genau das suchte ich … und fand es auch in meiner Agentur.

Irgendwann stand fest: Das mache ich!
Doch was wird mich erwarten?

Der Clou an meiner Bewerbung war, dass mein Bewerbungsgespräch mit der Kamera aufgezeichnet wurde. „Das Vorstellungsgespräch“ sollte das Format heißen und wurde auf dem Sender VOX ausgestrahlt. Ob ich dadurch umso nervöser war? Auf jeden Fall! Ob ich das nochmal machen würde? Auf jeden Fall! Eine solch tolle Erfahrung kann man noch Jahre weiter erzählen. Trotz erhöhter Nervosität, wählten mich damals Sinan und Arne als passende Kandidatin für die Ausbildung in der Agentur aus. Die Freude war riesig!
Angst vor meinem ersten Tag hatte ich nicht – und das muss man auch nicht! Die Kollegen waren darauf eingestellt, dass ich aufgeregt war – denn das ist völlig normal und okay! Kaffee kochen und kopieren? Von wegen! Mein erster Tag startete aufregend mit einem Fotoshooting, bei dem ich auch direkt mitwirken durfte. So hatte ich schon nach dem ersten Tag zuhause viel zu erzählen.

Schnell standen die ersten Tage in der Berufsschule vor der Tür. Als Azubi folgt die Schule entweder dem 2+3-Modell (zwei Tage Schule, drei Tage Arbeit pro Woche) oder man hat Blockunterricht (eine rein schulische Zeit, beispielsweise 6 Wochen, gefolgt von einer rein betrieblichen Zeit). Beides hat seine Vor- und Nachteile. Sich zwischen diesen zwei Modellen zu entscheiden, geht leider nicht, es hängt von der jeweiligen Berufsschule ab.
Man fühlt sich wie auf der weiterführenden Schule, doch das Prinzip im Unterricht ist ein anderes. Wie aus der alten Schulzeit gewohnt, meldete ich mich bei meinen Fragen, um eine Antwort von dem Lehrer zu bekommen. Doch ich wurde zurückgewiesen und aufgefordert, mich doch erst einmal bei meinen Mitschülern zu informieren. Der Sinn dahinter ist, sich das Problem aus der Sicht eines anderen Schülers schildern zu lassen. Das führt dazu, dass die Thematik einfacher zugänglich und besser zu merken ist. Die Kommunikation unter Schülern ist einfach eine andere.

Über die Monate wird man dann ein immer größerer Teil des Unternehmens und das ist spürbar. Man wird Ansprechpartner für bestimmte Bereiche und bekommt seine eigenen Projekte oder sogar eigene Kunden. Der Status „Auszubildende“ rückte immer weiter in den Hintergrund. Und so lernt man am meisten und wird immer selbstbewusster in seinen zukünftigen Aufgaben.
Eine Ausbildung ist daher meiner Meinung nach ein super Einstieg ins Berufsleben. Man bekommt (eventuell zum ersten Mal) ein festes Einkommen und wird somit immer unabhängiger von den Eltern. Durch die langsame Heranführung an die kommenden Aufgaben im Job wird man auch nicht einfach ins kalte Wasser geschubst, was die Berufswelt angeht. Auch wenn einem die Ausbildung dann eventuell doch nicht liegt, man hat seine Erfahrungen gesammelt und weiß somit dann auch besser, was man später nicht machen möchte, anhand von Taten und nicht nur irgendwelchen Texten aus dem Internet.
Ich empfehle: Go for it, es lohnt sich! Man sammelt nicht nur wertvolle Berufserfahrung, sondern lernt auch viel fürs Leben.

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